Unverhoffte Begegnung

Du hast mir mal eine Schachtel geschenkt. Aus Pappe und mit feinem Seidenpapier beklebt. Du hattest Teelichter reingetan. Heute steht die Schachtel auf meinem Klavier und du bist nicht mehr da. Neulich habe ich sie aufgemacht und festgestellt – sie riecht nach dir.

Eine Schachtel voll du.

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Aus dem Tagebuch einer PiA – Teil 1

Ich bin eine PiA. Keine dem Namen nach Fromme, sondern eine Psychotherapeutin in Ausbildung. Der Wunsch danach war schon immer so groß wie die Zweifel daran – auf jeden Zweifel ploppt eine Wunschbekennung in mir auf, jedem Wunsch folgt ein Zweifel. Während Wunsch und Zweifel also Katze und Maus spielen, sitze ich wie jeden Tag zwischen Handpuppen, Sandkasten und Ton und frage mich, was ich hier eigentlich mache. Ich erinnere mich an meine Einführungsveranstaltung: Die Dozentin legte eine Folie mit einer von Uli Stein gezeichneten Schlange auf. Auf den Bauch der Schlange zeigte ein Schild, auf dem stand: „Sie befinden sich hier.“ Ich stecke also in einer Schlangenversion von „Jona und der Wal“ und frage mich, wie lange es dauern wird, da wieder rauszukommen. Ob ich da überhaupt wieder rauskommen werde. Und wenn ja, wie und als was oder wer?

 

Vom Drüberfühlen

Fühle ständig zu viel. Bevorzugt in’s Ummichrum statt in’s Inmichrein. Fühle zu viel bei den kleinen, popeligen Dingen des Alltags, über die andere sagen: „Naja, normal halt, ’ne?“ „Sei nicht so sensibel“, haben sie immer gesagt, und „Du bist aber auch empfindlich“. Hab‘ nie kapiert, warum das so war. Wie mich etwas zerreißen konnte, während sich neben mir ein Kopf geschüttelt hat, als wäre es damit getan.

 

Verwirrung

Statt in mein Innen strecke ich meine Fühler aus nach anderen, auf sowas hoffend wie: Wirmögendich, Wirliebendich, DubistdieBesteTollsteGrößteSchönste. Und weil die Menschen Unterschiedliches mögen, bin auch ich unterschiedlich, unterschiedlich verwirrt. Gefangen zwischen einem Wunsch-Ich, das weiß, wer Es ist (an dieser Stelle auch psychoanalytisch lesbar) und einem Angst-Ich, das sich nicht traut, es selbst zu sein, weil das bedeuten würde, sich festzulegen, sich selbst als Grund zu genügen und damit nicht mehr allen gefallen zu können. Also modelliert mein Ich sein Gesicht wie ein Bildhauer sein Kunstwerk immer wieder neu in jeder Begegnung mit einem Du.

Zurück bleibt nur eins: Leere, die fragt, wer ich bin.