Als du verblüht bist.

Du warst nie eine von denen, die laut gelebt haben. Nein, du warst still. Eines dieser Wasser, die besonders tief sind. Manchmal durfte ich mit dir auf deinen Grund tauchen. Ganz kurz nur, aber das kurze Mal Gucken hat schnell gezeigt – da war ganz schön viel zu entdecken und in den hässlichsten, unscheinbarsten Muscheln hieltest du kleine Perlen versteckt.

Danke, dass ich bei dir sein durfte, als du verblüht bist wie dein Garten jedes Jahr im Herbst. Viel zu früh haben deine Blätter angefangen zu welken. Du hattest noch so viel Frühling vor.

Vom Schreiben

Hab‘ oft so viele Fragen. An’s Leben, uns Menschen und mich.

Kopfgewitter.

Dann nehm‘ ich einen Stift und drücke ihn und mich aus auf einem Blatt Papier. Zäh kommen die Worte, oft zusammenhangslos, weil kaum mit einem Gedanken angefangen, ein nächster ihn durchkreuzt. Aber wenn sich alle auf dem Blatt treffen, fängt’s im Kopf endlich an zu regnen.

Erleichterung.

Dann kommt die Angst.

Davor, dass viele Gewitter folgen könnten ohne den erlösenden Regen.

Von der Angst, gut genug zu sein

Vielleicht haben wir uns schon so sehr daran gewöhnt, zu fallen, dass wir uns nicht mehr vorstellen können, wie fliegen geht und was das ist.

Vielleicht macht uns fliegen viel mehr Angst als fallen.

Vielleicht, weil wir dann kein Washabenwirschonzuverlieren mehr in der Hinterhand haben, weil wer nicht fliegt, auch nicht fallen kann.

Vielleicht haben wir damit aber schon mehr verloren als wir je tief fallen könnten.

Weih | nach | ten, das

Auch nach vier warm leuchtenden Kerzen: Es bleibt kühl und düster. Je dicker der Zuckerguss auf den Plätzchen, desto bitterer ihr Beigeschmack. Stattdessen: Schluckauf nach Sehnsuchtsart.

Mitten im Wald. Fühle seine Wärme, bevor ich es sehen kann: ein kleines, altes Haus. Ich spähe durch eines seiner Fenster. Eine riesige Tanne in der Mitte eines Raumes. Kaum geschmückt und trotzdem schöner als der wunderbarste Baum, den ich je gesehen habe. Daneben eine Katze, die sich vor dem Kamin eingerollt hat. In ihren Leben gerechnet längst älter als der schiefste Balken, aus dem das Haus gemacht ist. Nicht weit von ihr entfernt in einem knartschenden Schaukelstuhl ein alter Mann. Mischung aus Petterson und Seefahrer. Sein Gesicht in Falten, sein Blick ins Feuer so weit als betrachte er den Horizont über’m Meer. Kann mich nicht entscheiden, was er sagt. Irgendwie zufrieden. Und traurig. Melancholie?

Würde mich gerne neben den alten Mann setzen. Einfach nur dasitzen. Den Farben seiner Gedanken zuhören. Zufriedenheit hochleben lassen, die traurig sein darf.

„There is a crack in everything. That’s how the light gets in.“ – L. Cohen

In allen von uns ist irgendwo ein Riss.

Riss klingt nach zerbrechlich. Kaputt. Wir denken, eine Wand, die trägt, hat keinen Riss. Ist erstmal einer da, wächst er langsam, aber unaufhaltsam weiter. Weil man ihn jeden verdammten Tag ansieht und doch nicht richtig hinguckt. Und weil man so tut, als gäb’s keinen, kriegt man’s nicht mal mit. Irgendwann bricht alles zusammen. Völlig unverhofft, meinen wir dann.

Aber vielleicht ist es auch anders.

Vielleicht sind Risse gar nicht schlimm. Vielleicht passen sie einfach nicht in das „Alles-muss-perfekt-sein-Ding“, bei dem wir alle mitmachen, obwohl es uns anödet. Vielleicht sind Risse das Beste, was wir haben. Weil glatte Oberflächen keine Geschichten erzählen. Weil Fassaden nicht echt sind. Weil, was dahinter steckt, auch verbeult und verrostet sein kann, aber gerade das uns zeigt, was uns ausmacht.

So sind wir so viel schöner.

Vom Suchen und Nicht-Finden.

Die Erstellung dieses Blogs stößt mich ungeplant direkt mit der Nase auf das, was mich umtreibt: Namen finden. Für das, was wir nicht kapieren, mein Hirn und das Chaoszentrum ein Stockwerk tiefer. Wollen es benennen, zum Sortieren. Unschärfe scharf stellen. Auch wenn das noch nichts mit Kapieren zu tun hat. Namen finden find‘ ich schwer. Einmal finden, wonach ich suche, ohne zu wissen, wonach ich suche.

Geht das?